Mit ganzheitlicher Nachhaltigkeitsphilosophie zum EU-Green Building Award 2014

Von ehemaligen Fabrikgebäude zum nachhaltigen Veranstaltungszentrum für green meeting & events

nach unten scrollen, um weiterzulesen

Die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden ist in den meisten Fällen mit großen technischen und finanziellen Herausforderungen und gleichzeitig hohen Risiken verbunden. Verstärkt wird dieses Problem noch zusätzlich, sobald erneuerbare Energietechnologien sowie nachhaltige, ressourcenschonende Konzepte bei der Innen- sowie Außengestaltung berücksichtigt werden müssen. Der Energiepark Hirschaid zeigt nach über dreijähriger Planungs- und Umbauphase, dass es erfolgreiche Lösungswege gibt.

Aus dem ehemaligen Werksgelände der Firma Scherer & Trier aus den 70er Jahren ist eine nachhaltige Veranstaltungsplattform entstanden. Unter dem Motto „erlebe erneuerbare energien“ wurden über 20 Technologien installiert, die mittelfristig für eine annähernd autarke Energieversorgung des Gebäudes sorgen. Auf einer Gesamtfläche von 4.000m² wird der industrielle Charakter des ehemaligen Fabrikgebäudes in Kombination mit innovativen Energietechnologien und modernen architektonischen Gestaltungselementen erlebbar.

Die Zielstellungen dieses außergewöhnlichen Konzepts waren einerseits die Umnutzung des alten Fabrikgebäudes als neues Veranstaltungszentrum, andererseits ein energetisches Gesamtkonzept mit dem Schwerpunkt auf erneuerbare Energien sowie die Integration einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsphilosophie. Um dieser Anspruchshaltung gerecht zu werden, wurde ein Portfolio von Architekten, Planern und Technologiepartnern zusammengestellt, die die Nachhaltigkeitsstrategie des Energiepark Hirschaid sowie das Energiekonzept konsequent entwickelten und phasenweise einführten.

In enger Zusammenarbeit mit dem österreichischen Architekten Georg Scheicher, wurde die individuelle Nachhaltigkeitsstrategie des Energiepark Hirschaid realisiert. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Georg Scheicher mit nachhaltiger Architektur und hat bereits in seiner Studienzeit an der Domus Academy in Mailand die Erkenntnis erlangt, dass das Gestalten neben der Funktionalität und Form auch ressourceneffizient sein muss – „form follows sustainability“. Im Rahmen der Klimaschutz-

initiative klima:aktiv vergab das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft bereits im Jahr 2006 an Georg Scheicher erstmals den österreichischen Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit.

Bei der Entwicklung des Energiekonzepts war die Zielstellung, funktionsfähige Innovationen in unterschiedlichen Segmenten zu finden und dann diese heterogenen, erneuerbaren Energietechnologien im Sinne einer Smart-Grid-Philosophie auszurichten. Über die Installation verschiedener Photovoltaik-Technologien, Windanlagen, Speichertechnologien und z.B. intelligente Lichtkonzepte werden bereits jetzt Überschüsse an Stromleistung erzielt. Eine Grundwasser-Wärme-Pumpe, ein BHKW, Pufferspeicher sowie effiziente Lüftungsanlagen sind für das Wärme- und Klimakonzept zuständig. Zukunftsorientiert sollen nicht nur weitere Innovationen mit geeigneten Technologiepartnern bewertet und installiert, sondern auch Projekte in Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten in der Metropolregion Nürnberg bearbeitet werden, um so den Grad der Energieautarkie stufenweise zu erhöhen.

Die Verwendung von nachhaltigen Baumaterialien und ökologischen Werkstoffen beweist, dass auch mit Bestandsgebäuden völlig neue und effiziente Nutzungskonzepte möglich sind. Zwölf Meter hohe Silos standen noch vor kurzem im Erdgeschoss, in dem heute eine beeindruckende Flaniertreppe aus Massivholz in Eiche mit mehreren Podesten und 28 Stufen schwebt.

Die wiederverwendeten Fensterelemente der ehemaligen Fabrik sind Teil des Re-Use-Konzepts und schaffen als LED-Glaswand mit ihren zahlreichen Lichtinszenierungen eine beeindruckende Stimmung in verschiedenen Räumen. Eichenparkett, Holzlamellendecken und –wände sowie viele Glaselemente unterstreichen als „Second Skin“ den industriellen, historischen Charakter des Gebäudes mit vielen Betonelementen im Innenbereich, während außen eine vorgesetzte Holzfassade dem ehemaligen Fabrikgebäude ein neues und außergewöhnliches Erscheinungsbild verleiht und sich hervorragend zu den Energietechnologien, wie z.B. einer Fassadenphotovoltaik, ergänzt. In der Innenarchitektur mit vielen Holzelementen, bewusst ausgewählten Möbeln und vielen Details wird somit ein neuartiges Raumgefühl erzeugt und lässt die Philosophie der Nachhaltigkeit erleben und spüren.

Lesen Sie auch: